Teichfolie berechnen und das Material wählen
Die Folie ist die teuerste Fehlerquelle beim Teichbau: zu knapp gekauft, reicht sie nicht bis zum Ufer; zu dünn gewählt, hält sie nicht. So berechnest du Maß, Stärke und Material richtig.
Die Teichfolie hält das Wasser — und ein Fehler bei Maß oder Material lässt sich nach dem Verlegen kaum noch korrigieren. Zwei Fragen entscheiden über den Erfolg: Wie groß muss das Folienstück sein, und welches Material in welcher Stärke passt zu meinem Teich? Beide beantwortest du mit einfacher Geometrie und ein paar Kennwerten aus der Praxis.
Die Formel für die Folienmaße
Die Folie muss über den Boden, an beiden Seitenwänden hoch und am Ufer ein Stück überstehen, um sie zu befestigen und gegen Auswaschung zu sichern. Daraus folgt:
- Folienlänge = Teichlänge + 2 × Teichtiefe + 2 × Überstand
- Folienbreite = Teichbreite + 2 × Teichtiefe + 2 × Überstand
Die zweifache Tiefe deckt beide gegenüberliegenden Wände ab, der zweifache Überstand beide Ränder. Als Überstand haben sich 0,3 bis 0,5 m je Seite bewährt. Der Teichfolien-Rechner liefert Länge, Breite und die benötigte Folienfläche in einem Schritt.
Durchgerechnetes Beispiel
Ein Teich misst 3,0 m × 2,0 m bei 0,8 m Tiefe, der Überstand soll 0,5 m betragen. Folienlänge = 3,0 + 2 × 0,8 + 2 × 0,5 = 5,6 m. Folienbreite = 2,0 + 2 × 0,8 + 2 × 0,5 = 4,6 m. Die Folienfläche beträgt also 5,6 × 4,6 ≈ 25,76 m². Aus dieser Fläche ergibt sich unmittelbar der Vlies- und der Gewichtsbedarf.
Immer mit Vlies
Unter die Folie gehört ein Schutzvlies. Es verteilt punktuelle Lasten, schützt vor spitzen Steinen von unten und vor Wurzeldurchtrieb. Der Vliesbedarf entspricht der Folienfläche plus einem Verschnitt-Zuschlag von rund 10 %, weil das Vlies in Bahnen verlegt und überlappt wird. Der Vlies-Rechner addiert den Zuschlag automatisch. Bei steinigem oder wurzelreichem Untergrund darf das Vlies ruhig kräftiger ausfallen.
EPDM oder PVC?
Bei der Materialwahl konkurrieren vor allem zwei Werkstoffe:
- EPDM-Kautschuk: sehr elastisch, dadurch faltenärmer zu verlegen und formschlüssig auch bei verwinkelten Teichen. Hohe UV- und Alterungsbeständigkeit, entsprechend lange Lebensdauer von rund 40 Jahren. Etwas schwerer pro Quadratmeter.
- PVC-Folie: günstiger und dünner erhältlich, gut für einfache, rechteckige Teiche. Weniger dehnbar und mit kürzerer Lebensdauer von etwa 20 Jahren, da sie langsam verspröden kann.
Für kleine, geradlinige Teiche kann PVC ausreichen; für große, geschwungene oder auf Langlebigkeit angelegte Teiche ist EPDM die robustere Wahl. Der Folienstärke-Rechner empfiehlt die Materialstärke passend zur Teichtiefe.
Die richtige Stärke nach Tiefe
Je tiefer der Teich, desto höher der Wasserdruck auf Boden und Wände — und desto stärker sollte die Folie sein. Als Richtwerte gelten: bis etwa 80 cm Tiefe reicht 0,5 mm PVC beziehungsweise 1,0 mm EPDM; zwischen 80 und 150 cm sind 1,0 mm angebracht; über 150 cm sollten es 1,5 mm sein. Eine zu dünne Folie im tiefen Teich ist eine Sparmaßnahme am falschen Ende.
Folien-Gewicht und Rollenzuschnitt
Das Foliengewicht ist mehr als eine Randnotiz: Große Stücke aus starkem EPDM wiegen schnell mehrere Dutzend Kilogramm und lassen sich nur zu mehreren verlegen. Das Flächengewicht liegt bei EPDM bei rund 1,15 kg pro Quadratmeter und Millimeter Stärke, bei PVC bei etwa 1,30. Ein 26 m² großes Stück in 1,0 mm EPDM wiegt somit rund 30 kg. Der Folien-Gewicht-Rechner hilft, den Transport und die nötige Helferzahl einzuschätzen. Plane den Zuschnitt so, dass möglichst wenige Nähte entstehen — jede Naht ist eine potenzielle Schwachstelle.
Die Kapillarsperre am Ufer
Ein oft übersehener Punkt entscheidet über den Wasserstand: die Kapillarsperre. Läuft die Folie am Ufer einfach flach aus und liegt feuchte Erde oder eine saugfähige Uferzone direkt an, zieht diese über den Docht-Effekt unbemerkt Wasser aus dem Teich — der Pegel sinkt scheinbar grundlos. Um das zu verhindern, führst du die Folie am Rand senkrecht nach oben und legst sie in einen kleinen Graben, sodass die Folienoberkante überall über der Wasserlinie liegt. So bricht die kapillare Verbindung ab. Rechne diesen hochgeführten Rand beim Überstand mit ein: Die Folie muss über die Wasserlinie hinausreichen und zusätzlich in den Graben — das kostet einige Zentimeter extra, die im Folienmaß berücksichtigt sein wollen.
Am Übergang zwischen Teich und Garten lohnt sich außerdem eine saubere Randgestaltung. Ufermatten oder eine Kiesschüttung kaschieren die schwarze Folienkante, schützen sie vor UV-Strahlung und schaffen einen natürlichen Übergang. Freiliegende Folie versprödet mit den Jahren im Sonnenlicht schneller — je weniger davon dauerhaft der Sonne ausgesetzt ist, desto länger hält sie. Ein gut gestalteter Rand ist damit nicht nur Optik, sondern auch Materialschutz.
Untergrund sorgfältig vorbereiten
Die beste Folie nützt nichts, wenn der Untergrund sie beschädigt. Nach dem Aushub entfernst du alle spitzen Steine, Wurzeln und Scherben aus Sohle und Böschung. Darüber kommt eine Ausgleichsschicht: erst eine dünne Lage Sand, wo möglich, dann das Schutzvlies. Beides zusammen verteilt den Druck des Wassers und schützt vor Durchstich von unten. Gerade an den Kanten der Pflanzterrassen, wo die Folie über Kanten läuft, lohnt sich sorgfältiges Arbeiten — hier entstehen sonst die ersten Schwachstellen.
Verschnitt und Zuschnitt planen
Folie wird auf festen Bahnbreiten geliefert; dein berechnetes Maß liegt selten genau auf einer Standardbreite. Runde deshalb immer auf die nächste verfügbare Bahnbreite auf und plane etwas Verschnitt ein, statt auf Kante zu bestellen — eine zu knapp gekaufte Folie ist unbrauchbar, ein kleiner Rest verschmerzbar. Beim Zuschnitt gilt: möglichst ein Stück ohne Naht. Jede Klebenaht ist eine potenzielle Undichtigkeit und Arbeit; ein einteiliges Stück, auch wenn es etwas größer ausfällt, ist fast immer die sichere Wahl.
Nähte und spätere Reparaturen
Lässt sich eine Naht nicht vermeiden — bei sehr großen Teichen —, werden EPDM-Bahnen fachgerecht mit speziellem Nahtband oder Kaltkleber verbunden, PVC lässt sich verschweißen oder mit Quellschweißmittel fügen. Beides erfordert saubere, trockene, staubfreie Flächen. Für spätere Reparaturen kleiner Löcher gibt es passende Flicken-Sets zum jeweiligen Material; hebe einen Rest der Originalfolie auf, dann hast du im Schadensfall genau das richtige Material zur Hand. Ein kleines Leck zeigt sich meist an einem stetig sinkenden Wasserstand trotz Nachfüllens.
Verlegen ohne teure Fehler
Verlege die Folie an einem warmen Tag: In der Sonne wird sie geschmeidig und legt sich faltenärmer an. Arbeite von der Tiefzone nach außen, ziehe die Falten großzügig und regelmäßig aus, und beschneide den Rand erst, wenn der Teich voll ist und sich die Folie unter dem Wassergewicht endgültig gesetzt hat. Wer vorher schneidet, riskiert, dass die Folie am Ufer zu kurz wird. Sichere den Überstand dann in einem Kapillarsperren-Graben, damit kein Wasser über den Rand aus dem Teich gesaugt wird.
Vom Maß zum Materialeinkauf
Fasse vor dem Einkauf alle Zahlen zusammen: die Folienmaße samt Fläche, den Vliesbedarf mit Verschnitt, die empfohlene Materialstärke nach Tiefe und, bei großen Stücken, das voraussichtliche Gewicht für Transport und Helfer. Runde die Folie auf die nächste lieferbare Bahnbreite auf und plane einen kleinen Rest ein, den du für spätere Reparaturen aufhebst. So gehst du mit einer vollständigen, belastbaren Stückliste in den Kauf und vermeidest die teuren Klassiker — eine zu knapp bemessene oder zu dünne Folie, ein fehlendes Vlies oder eine Naht, die sich mit etwas mehr Material hätte vermeiden lassen. Ein einmal sauber berechnetes Folienpaket hält, mit dem richtigen Material und sorgfältigem Verlegen, über Jahrzehnte dicht.